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Die Plitvicer Seen
Die Plitvicer Seen in Kroatien
sind, ohne zu übertreiben, ein Naturwunder ersten Ranges. Nirgendwo in
Europa gibt es auf so engem Raum so viele Wasserfälle, Kaskaden und Rinnsale wie
dort. Sechzehn, auf unterschiedlichem Niveau liegende Seen, die miteinander
verbunden sind und sich über viele kleine
Katarakte und Wasserfälle in einander ergießen, verleihen dieser Region ihren
besonderen Reiz und Zauber.
Die Seen sind durch Ablagerungen von Kalk (Rauwacke) entstanden wobei Algen und
Moose eine wichtige
Rolle spielten. Diese Bodensätze schufen Veränderungen, es entstanden immer
wieder neue, dem Wasser
Richtung weisende Barrieren und Hemmnisse, welche die Bildung von neuen Teichen,
Lagunen und Wasserfällen bewirkten. Dieser Vorgang ist keineswegs abgeschlossen
sondern obliegt einer kontinuierlichen Fortsetzung,
der dieses Gebiet einer immerwährenden Wandlung unterwirft. Während durch die
ständige Suche des Wassers
nach Durchflüssen neue Katarakte und Wasserfälle entstehen, ändern andere ihren
Verlauf oder versiegen und
das in relativ kurzer Zeit. So ergibt sich je nach Wasseraufkommen für den
interessierten Beobachter immer
wieder ein anderes Bild, das sich nach starken Regenfällen vollkommen von dem
des Vortages unterscheiden
kann.
Das Seengebiet kann durch 2
Eingänge betreten werden, den Ulaz 1 und den Ulaz 2. Beide liegen an der
Durchgangsstraße von Grabovac nach Gradac etwa 2,5 Km. auseinander. Startet man
die Tour durch Ulaz
1 ist man bereits nach wenigen Minuten auf einem, steilen, abwärts führenden Weg
in der Nähe des großen
Wasserfalls, muss aber den Rest der Besichtigungs-Tour, die sich über mehrere
Stunden hinzieht, stetig
bergauf gehen, was sehr beschwerlich ist, zumal die meisten Besucher aus der
entgegen gesetzten Richtung
kommen. Und da die Massen meist „Vorfahrt“ haben heißt es dann öfters: Stehen
bleiben, Bauch einziehen
(Oft sind die Wege sehr schmalund führen am Wasser entlang wo ein Ausweichen
unmöglich ist.) und den Gegenverkehr, (der leicht aus 50 bis 100 Personen
bestehen kann) passieren lassen, was natürlich viel Zeit in Anspruch nimmt.
Viele dieser Gruppen, die meist aus den Badeorten an der Küste kommen und nur
eine
Tagestour gebucht haben, sind in Zeitnot und rennen geradezu hinter ihrem, mit
einem auffälligen Regenschirm bewaffneten Führer durch den Park.
Wer die Tour genießen und an den
schönsten Stellen zumindest für kurze Zeit verweilen möchte, sei es zum
Fotografieren oder zum Entspannen, sollte eine 2 Tagestour unternehmen, also
wenigstens eine Übernachtung einplanen. Unterkünfte gibt es genügend. Es
existiert wohl kaum ein Haus, das nicht Privatzimmer oder Appartements an
Touristen vermietet. Wer es komfortabler möchte kann auch in einem der 3 großen
Hotels übernachten (Sie liegen direkt an den Eingängen zum Park).
Bei einer 2 Tagestour hat man
nicht nur mehr Zeit für eine ausgiebige Besichtigung, man hat auch mehr Ruhe
die Schönheit der der Seen, der vielen Wasserfälle sowie Flora und Fauna dieser
Region zu genießen.
Wir haben uns für eine 2
Tagestour entschlossen und wollen uns am ersten Tag (Der Park wird um 9 Uhr
geöffnet)
das Gebiet um die Oberen Seen anschauen. Dazu betreten wir den Park über Ulaz 2,
lösen eine 2 Tageskarte
und fahren mit dem Panorama Bus (Abfahrt beim Hotel Jezero. Der Fahrpreis für
alle Busfahrten, es sind
mehrere Fahrten möglich, ist im Eintrittspreis für den Park enthalten) bis
hinauf zur Endstation. Von jetzt an
geht es an großen und kleinen, teilweise mit dichtem Schilf bewachsenen Seen und
unzähligen Wasserfällen
und Kaskaden vorbei, immer bergab in Richtung Kozjak See mit den
Bootsanlegestellen. Wir brauchen keine Befürchtung zu haben uns zu verlaufen.
Alle Wege sind beschildert und mit farbigen Punkten markiert und
anhand unserer Karte, die wir im Kiosk erworben haben, können wir genau
verfolgen welchen Weg wir gehen
und wo wir uns gerade befinden. Der Pfad führt manchmal steil nach unten oder
auf mit dicken Holzbohlen
belegten Palisaden direkt über das Wasser, dank derer wir uns keine nassen Füße
holen. Natürlich sind wir
mit dem richtigen Schuhwerk ausgestattet, denn das Holz ist wegen des vielen
Wassers, das manchmal sogar
die Balken überspült, feucht und rutschig. Sind wir im Frühjahr unterwegs blühen
rund um uns in den feuchten
Wiesen Orchideen und viele andere Frühjahrsblumen. Im Herbst schmücken Pilze
Bäume und Boden und das
bunte Laub gleißt in der Sonne. Nicht selten sehen wir Frösche im Schilf oder
eine Schlange, welche die
wärmenden Sonnenstrahlen genießt. Forellen stehen zu Hunderten in der Strömung.
Allerorts fließt Wasser
über braunen Travertin. Umgestürzte Bäume quellen in der Flut. Von überall her
sprudelt und schäumt es,
plätschern kleine und große Bäche, tosen und toben Wasserfälle über Hindernisse
und Barrieren. Dann wird
es ruhiger. Dem See entlang, unter schattigen Bäumen treiben Enten ihr munteres
Spiel. Wir entspannen uns
auf einer Bank und lauschen dem Gesang der Vögel.
Während wir uns Zeit gelassen
und die Schönheit der Natur bewundert und genossen haben, ist es mittlerweile
später Nachmittag geworden. Da wir eine 2 Tagestour geplant haben brechen wir
unsere Tour jetzt ab, begeben
uns zur Bootsanlegestelle und überqueren den See mit dem E-Boot in Richtung
Hotel Jezero und Ulaz 2, wo wir
unser Auto abgestellt haben. Im Hotel angekommen genießen wir das Abendessen und
beenden diesen schönen
Tag bei einem Glas guten Kroatischen Rotweins.
Am nächsten Tag, wir haben gut
gefrühstückt und sind voller Unternehmensdrang, betreten wir den Park über
Ulaz 1. Wir beginnen den Rundgang dort, wo er normalerweise endet. Das hat einen
bestimmten Grund, auf
den ich gleich zu sprechen komme. Wir müssen allerdings, wenn wir so vorgehen,
einen Teil des Wegs
unserer heutigen Besichtigungstour als Rückweg noch einmal gehen, aber wenn wir
schöne Fotos machen
wollen ist dies unumgänglich. Da unser heutiger Ausflug aber an den unteren Seen
entlang führt und hier
keine größeren Steigungen vorkommen, ist er nicht sehr anstrengend. Außerdem
haben wir, wenn wir unter
den weit ausladenden, und Schatten spendenden Ästen altehrwürdiger Bäume am Ufer
entlang spazieren,
sehr schöne Ausblicke auf das grüne Wasser der Seen, so dass es sich durchaus
lohnt diesen Weg noch
einmal zu gehen. Der Grund für diesen Doppelgang liegt am Fotolicht bzw. am
Stand der Sonne in den ersten Morgenstunden. Denn bereits wenige Meter, nachdem
wir den Ulaz 1 passiert haben, gelangen wir an eine
kleine, durch eine Mauer gesicherte Plattform. Von hier bietet sich eine
grandiose Panoramasicht auf den
unteren Teil des Tales mit dem großen Wasserfall, dessen Wassermassen hier in
die Schlucht stürzen sowie
auf Sastavci mit seinen vielen spektakulären Kaskaden. Dies ist wohl der
schönste Panoramablick im
gesamten Nationalpark (Foto Seite ..). Dieses Naturspektakel wollen wir genießen
und mit unserer
Kamera festhalten. Da wir gut geplant haben und in den Morgenstunden unterwegs
sind steht die Sonne
genau richtig und beleuchtet das gesamte Panorama im schönsten Fotolicht.
Dann geht es weiter, steil nach
unten. Wir gelangen nach kurzem Abstieg an einen Palisadenweg der sich
nach wenigen Metern gabelt. Ein Weg führt quer über eine Barriere zum großen
Wasserfall, der andere an
den unteren Seen entlang in Richtung der Bootsanlegestelle am Kozjak See. Wir
wählen den Weg in
Richtung Wasserfall, den wir auf feuchten und schlüpfrigen Planken nach kurzer
Zeit erreichen. Der
Ursprung dieses Wasserfalls ist der Bach Plitvica. Neunzig Meter tief stürzt
seine wilde Flut, donnernd
und tosend über hellgrauen Travertin. Wir tragen wasserdichte Kleidung und
können deshalb sehr nahe
an die stürzenden Wassermassen heran. Die Kameras halten wir gut verdeckt unter
der Kleidung. Die Luft
ist voll von Spritzwasser. Der Wind treibt uns die Gicht ins Gesicht. Im Donnern
und Tosen der Fluten kann
man sein eigenes Wort kaum verstehen. Unser Aufenthalt ist wegen der alles
tränkenden Nässe nicht von
langer Dauer. Uns ist als stünden wir in einem starken Platzregen und einen
Regenschirm haben wir natürlich
nicht dabei. Wir machen uns auf den Rückweg in Richtung Kozjak See. Der Pfad
führt am Milanovac See
entlang, flankiert von Barrieren mit wunderschönen Kaskaden (Foto Seite ...). Im
Wald blühen Veilchen. Wir
sehen Pilze an modernden Bäumen. Ihr Wachstum wird durch die hohe
Luftfeuchtigkeit begünstigt. Wir
folgen dem Pfad und gelangen zu dem kleinen aber idyllischen Wasserfall Milka
Trnina. Hier verweilen wir, fotografieren und ruhen uns aus. Prächtige Forellen
stehen im Wasser und genießen die Strömung. Noch
ein wenig des Weges und wir gelangen an den Kozjak See mit der Anlegestelle der
E-Boote. Hier befindet
sich ein Rasthaus. Bei Kaffee und Kuchen verarbeiten wir die überwältigenden
Eindrücke der vergangenen
Stunden. Anschließend fahren wir mit dem E-Boot über den See auf die
gegenüberliegende Seite wo sich die Anlegestelle befindet, die wir bereits von
gestern kennen, Die Überfahrt dauert etwa 20 Minuten und man
sollte nicht auf sie verzichten. Die Elektro- Boote gleiten geräuschlos über das
grüne Wasser. Hin und wieder
sieht man Wasservögel. Ein Reiher erhebt sich aus dem Schilf, Enten starten mit
heftigem Flügelschlag aus
dem Wasser, mit ärgerlichem Geschrei gegen unsere Anwesenheit protestierend.
Dann erreichen wir die Anlegestelle. Von hier aus hatten wir am Vortag den See
in Richtung Hotel Jezero und Ulaz 2 überquert. Wir verweilen nur kurz, nehmen
das nächste Boot zurück und genießen die Fahrt über dieselbe Strecke noch
einmal. Wieder an Land, folgen wir dem Weg, vom Vortag in entgegen gesetzter
Richtung. Vor der Höhle
Supljara, wo sich auch die Blaue Grotte befindet, teilt sich der Weg. Wir biegen
rechts ab und klettern über
viele Stufen einer steil nach oben führenden Treppe, durch eine Art Kamin bis zu
einem schmalen Pfad, der
am oberen Rande der Schlucht entlang führt. Von hier hat man eine schöne
Aussicht in das Tal, die aber
häufig von Bäumen verdeckt wird. Wir stoßen auf den Pfad, der von Ulaz 1 hinab
zum großen Wasserfall
führt und den wir am Vormittag benutzt haben und gelangen wieder zur Plattform
mit der grandiosen Aussicht
auf den großen Wasserfall. Die Sonne steht jetzt hoch am Himmel. Das warme
Licht, welches am frühen
Morgen die Landschaft verzaubert hatte ist verschwunden. Wie sind glücklich
unsere Fotos zu einer
besseren Zeit gemacht zu haben. Ein letzter Blick auf die grandiose Natur und
wir begeben und zu unserem
Parkplatz.
Zwei herrliche Tage, voll von
wunderbaren Eindrücken, von denen wir noch lange zehren werden.
Es gibt mehrere Rundwege, die
Schönheit der Plitvicer Seen zu erkunden und zu genießen.
Alle Wege sind farbig markiert
und die verschiedenen Farben zeigen die möglichen Routen sowie die
Dauer ihrer Begehung an. Der von uns geschilderte Rundgang wurde aus Fotogründen
und den Erfahrungen verschiedener Exkursionen in den vergangenen Jahren so
gewählt. Natürlich bleibt jedem selbst überlassen,
wann er den Park besuchen möchte, welche Route er einschlägt und wie viel Zeit
er dafür aufbringen will. In
den Infozentren an den beiden Eingängen und von den Parkwächtern, denen man hin
und wieder begegnet,
kann man Informationen über die Wege und Hilfe bei der Routenplanung erhalten.
Wenn man nicht auf
eigene Faust losziehen will kann man sich einer der geführten Touren
anschließen, die von den großen
Hotels veranstaltet werden.
Wir können nur immer wieder
staunen, mit welchem Schuhwerk manche Besucher (besonders ältere Menschen)
im Park unterwegs sind und dass es bei der Begehung der oftmals feuchten und
glitschigen Balkenwege nicht
häufiger zu verstauchten Knöcheln o. ä. kommt. Festes Schuhwerk ist unserer
Meinung nach unbedingt notwendig zumal man bei dem Rundgang die Augen mehr auf
die Naturschönheiten des Parks als auf den oft schlüpfrigen mit Stolpersteinen
versehenen Weg gerichtet hält.
Die Schönheit des Naturparks
hängt von der vorhandenen Menge des Wassers ab. Nach starken Regenfällen
entstehen hunderte von kleinen oder größeren Wasserfällen, Katarakten und
Kaskaden, und man hat
den Eindruck in einer Traumwelt alles Fließenden zu sein. In trockenen Sommern
kann es vorkommen dass
der Bach Plitvica, dessen Wasser den Großen Wasserfall speist, zu einem Rinnsal
wird und selbst die kreativste Fantasie reicht nicht aus ihn sich als den wilden
und tosenden Wassersturz vorzustellen, der er oftmals ist.
Unseren Erfahrungen zufolge sind die besten Besuchszeiten das zeitige Frühjahr
und der Herbst. In beiden Jahreszeiten ist genügend Wasser vorhanden um schöne
Wasserfälle und Kaskaden hervorzubringen.
Besonders das bunte Laub der Bäume im Herbst, von der Sonne zum Leuchten
gebracht, verwandelt den Park
in eine riesige Palette mit unzähligen farbigen Tupfern der Malerin Natur.
Seit 1949 ist das Gebiet um die
Plitvicer Seen als Nationalpark ausgewiesen und seit 1979 Weltnaturerbe.
Seine Ausdehnung beträgt etwa 300 qkm.
Im Kroatisch - Serbischen Krieg
von 1992 waren fast alle Gebäude in dieser Region beschädigt oder zerstört
worden. Heute findet man nur noch wenig Anzeichen, die an diese militärische
Auseinandersetzung erinnern.
Unterkünfte findet man fast in
jedem Haus. Es gibt 3 große Hotels, die alle in der Nähe des Ulaz 2 liegen
sowie ein Campingplatz kurz hinter Grabovac. Für das leibliche Wohl sorgen
mehrere Gasthöfe und Restaurants.
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